Nebenkrüge

In den Jahrhunderten vor der Gewerbefreiheit war es schwer, eine Grenze zwischen einem Krug und einem Handelsgeschäft zu ziehen, in dem Wein, Kümmel, und Anis vom Fass in Kannen oder Flaschen abgefüllt und verkauft wurde.

Dies machten sich die sogenannten "Neben- oder Winkelkrüge" zunutze, die hauptsächlich Wein oder Branntwein ausschenkten.

Auf dem Stein- (Pfarr-)hof in Lieme bestand lange Zeit ein Nebenkrug. Schon bei der Übernahme des Steinhofes durch die Familie Erpbrockhausen im Jahre 1585 soll auf dem Hof Bier und Branntwein hergestellt und verkauft worden sein. Den jeweiligen Besitzer des Steinhofes kam dabei zugute, dass der Hof verwaltungsmäßig nicht zur Bauerschaft Lieme gehörte, sondern als selbständige Gutsgemeinde zur Vogtei Heiden des Amtes Detmold gehörte.

Der Nebenkrug auf dem Steinhof, der wahrscheinlich in einem Nebengebäude des Hofes betrieben wurde, bestand mindestens bis 1790. Es ist zu vermuten, dass er geschlossen wurde, als der seinerzeitige Betreiber Hartmann jun. 1790 nach Salzuflen zog.

Weitere Nebenkrüge wurden um 1749 auf den Höfen

Althöfer Nr. 13 (heute Bielefelder Str. 140)

Günther Nr. 17 (heute Bielefelder Str. 155 - 157)

und Deppe Nr. 19 (heute Bielefelder Str. 165)

eröffnet. Vor allem die etwas abseitige Lage des Liemer Krugs wird die Interessenten immer wieder zur Eröffnung von Nebenkrügen veranlasst haben.

(Quelle: F. Starke - "Lieme - Eine Dorfgeschichte in Einzeldarstellungen")