Der Osterhof

Der Osterhof, einer der vier Vollspännerhöfe zu Lieme lag östlich der Einmündung Bielefelder Straße/ In der Ecke und umfasste die Hausgrundstücke „In der Ecke 16 – 18“ und „Bielefelder Str. 135 – 141“ und bestand bis 1588.

Aufgrund seiner Lage am Rand der Bega- Ilse Niederung und seiner Größe von rund 2 ½ Schfl muss es sich um einen der ältesten Höfe Liemes gehandelt haben. Dies bestätigen auch die zum Teil über-lieferten Angaben über Besitzstand und Abgaben des Hofes. Da die Abgaben etwas geringfügiger wa-ren als die des Westerhofes (Arelmann Nr. 1) ist anzunehmen, dass der Osterhof etwas kleiner war.

Nach einem Verzeichnis der dem Gografen von St. Lemgo abgabepflichtigen Höfe von 1432 und dem Landschatzregister von 1467 war der Osterhof seinerzeit im Besitz der Familie Sostmann. Ob dieser Familienname auf die Herkunft aus der Soest hinweist oder ob es sich um eine ältere Form des Fami-liennamens Ostmann handelt, konnte nicht geklärt werden.

Ende des 15. Jahrhunderts ging der Osterhof in den Besitz der Familie Branding über.

Letzter Besitzer des Hofes war der Interimswirt (ein solcher bewirtschaftet einen Hof für einen noch minderjährigen Anerben) Cord Branding, geb. Potteken aus Lemgo, der die Witwe des verstorbenen Hermann Branding geheiratet und – wie damals üblich – deren Name angenommen hatte. Er ver-schuldete den Hof jedoch so stark, dass Graf Simon VI. ihn 1588 des Hofes entsetzte. Das Ackerland des Hofes wurde neugegründeten Domäne Büllinghausen zugeschlagen, auf dem Hofgrundstück un-ter Verwendung der vorhandenen Gebäude zwei neue Kötter gesetzt.

Cord Branding- Potteken erhielt den nördlichen Teil des Hofgrundstücks mit der eigenen Leibzucht und einigen Stücken Ackerland auf Lebzeiten, worauf sich dort die Stätte Redeker Nr. 11 entwickelte. Auf dem südlichen Teil des Hofgeländes wurde die Stätte Droste Nr. 10 errichtet. Der Stiefsohn Cord Brandings und Erbe des Osterhofes, Henrich Branding, erhielt als Abfindung den Hof Busse Nr. 20 zu Hölsen.

Mit dem Verlust des elterlichen Hofes konnte sich Henrich Branding jedoch nicht abfinden und so er-schlug er seinen Stiefvater im Jahre 1591 gemeinsam mit seinem Bruder Barthold, da sie glaubten, er sei für den Verlust des Hofes verantwortlich.


Die Brüder wurden für diesen Totschlag außer Landes gewiesen.

An den vor fast vierhundert Jahren ausgegangenen Osterhof und seine Besitzer erinnern heute nur noch die beiden Flurnamen „Sostmannskamp“ an der Birmeine und der „Osterhofkamp“ an der Ilse.

(Quelle: F. Starke - "Lieme - Eine Dorfgeschichte in Einzeldarstellungen")