Aus der Geschichte eines Fachwerkhauses

Das Fachwerkhaus in der Dorfstr. 11/ Ecke Großer Stein ist ein gutes Beispiel handwerklicher Zimmermannskunst aus dem 17. Jahrhundert. Die Hausinschrift lautet wie folgt:

ANNO 1689, DEN 28. MART HAT JOHANN BEREND KEMPER,


SCHVLMEISTER ZU LIEME VND SEINE FRAVE ANNA CATHRINA DURING DIESES HAVS LASSEN BAWEN. VND ALLE DIE UNS KENNEN, DEN GEBE GOT, WAS SIE VNS VND VNSERN NACHFOLGERN GÖNNEN.



(Anno 1689, den 28. März hat Johann Bernd Kemper,


Schulmeister zu Lieme, und seine Frau Catharina


During dieses Haus lassen bauen. Und alle, die uns


Kennen, denen gebe Gott, was sie uns und unseren Nach-


Folgern gönnen).

Bei dem Haus handelt es sich um ein bäuerliches einarmiges Vierständer- Fleetdielenhaus mit einer Stubenauslucht (Ausbau), bei dem die rechte Fleetnische zugebaut und unterkellert ist.

Hinter dem Fleet (Deele) befinden sich eine größere Stube (als Unterrichtsraum) und eine Kammer, die möglicherweise erst beim Wiederaufbau des Gebäudes 1689 angebaut wurden.

Für kleinere bauliche Veränderungen bei Wiederaufbau spricht auch, dass am linken Kopfband des Türbogens der Sternberger Sechsstern als Schmuckform vorhanden ist, während an dem rechten Kopfband die sonst als Gegenstück übliche Rose fehlt.


Das Gebäude stand ursprünglich auf dem Hof Redeker Nr. 11 an der Mittelstraße (heute Bielefelder Str. 135 – 141), dessen Besitzer im Jahre 1687 Arendt Redeker war. Dessen Schwager Caspar Füh-ring oder Althof Nr. 13 (heute Bielefelder Str. 140) schuldete ihm den Brautschatz.

Die Schwäger schlossen deshalb einen Vergleich, in dem festgelegt wurde, dass Caspar Führing ei-nen Teil seines Hofes an seinen Schwager Arendt Redeker übergibt und dafür dessen altes Fach-werkhaus auf Abbruch bekommt.


Das Redekersche Haus verkaufte Führing an den Liemer Küster und Schulmeister Johann Berend Kemper.

Schulmeister Kemper, welcher von 1683 – 1704 an der Liemer Schule unterrichtete, erwarb von der Bauerschaft Lieme als Bauplatz „ein kleines unfruchtbares Plätzchen, worin einige Immen (Bienen) stehen“, an der Echternstraße (heute Dorfstraße) und ließ das erworbene Fachwerkhaus dort, gering-fügig verändert, wieder aufbauen.

Nach Fertigstellung des Wohnhauses verlegte Kemper den schulischen Unterricht eigenmächtig aus dem „Kösterhaus“ an der Mittelstraße (1970 abgerissenes Gebäude auf dem Grundstück Bielefelder Str. 147) in seine neue Wohnung.


Das brachte ihm sehr viel Ärger ein, denn viele Eltern warfen ihm vor, „schlechte Schule“ zu betreiben und die Kinder „zur Verrichtung eigener Geschäfte“ heranziehe. Mehrere Eltern schickten ihre Kinder deshalb in die Schule nach Heiden.

Die Nachkommen Kempers blieben bis 1755 im Besitz des Hauses. Dann erwarb Schneider Christoph Steinmeier oder Bühne das Haus. Um 1800 wurde als zweites Gebäude die heute noch vorhandene Leibzucht errichtet, ebenfalls in Fachwerkbauweise.

Bis der Hof 1901 von der Familie Steffen übernommen wurde, wechselten die Besitzer mehrfach:

1849 – 1870 Wilhelm Hillbink, Ohrsen


1870 – 1877 Wilhelm König (Ziegler)


1877 – 1901 Wilhelm Starke.

(Quelle: F. Starke - "Lieme - Eine Dorfgeschichte in Einzeldarstellungen")