Fachwerkhäuser

Auch in Lieme wird die Zahl der vorhandenen Fachwerkhäuser immer geringer. Ihre Baumeister, nach heutigen Begriffen Zimmerleute, brachten an den Neubauten voller Stolz ihren Namen oder Initialen mit dem Meistertitel und gelegentlich sogar ein Meisterzeichen an.

Das älteste noch vorhandene Fachwerkhaus in Lieme ist das Wohnhaus des Hofes Bülling-hausen 6. Es wurde 1602 im Auftrag des Grafen Simon VI. zur Lippe von dem Lemgoer Stei-nhauer Hermann Roleff erbaut. Da es mehrfach umgebaut und erweitert wurde, ist heute leider nicht mehr genau festzustellen, welche Teile des Gebäudes von 1602 noch erhalten sind.

Das Haus „Bielefelder Str. 139“ wurde zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges gebaut. Durch Fahrlässigkeit des damaligen Besitzers Redeker brannte das Wohnhaus 1642 nieder, wurde jedoch 1643 durch den Zimmermeister Ernst Menke aus Lieme wieder aufgebaut.


Das Gebäude ist bis heute in seinen Grundzügen erhalten geblieben, obwohl es mehrfach umgebaut und erweitert wurde.

Der Torbogen mit der Inschrift

GOTTES STARKE HAND BEHÜT HINFORT


DIESES HAUS VOR RAUB UND BRAND

ist heute leider nicht mehr zu sehen.

Besonderes handwerkliches Können bezeugen die beiden erhalten gebliebenen Fachwerk-häuser des Meisters Christoffel Scheifer: das 1681 erbaute Haus Bielefelder Str. 142 und das 1687 errichtete Haus Bielefelder Str. 144. Beide Häuser tragen die Inschrift:

WER GOTT VERTRAUWET, HAT WOHL GEBAUWET


IM HIMMEL UND AUF ERDEN


WER SICH VERLEST AUF IESUM CHRIST


DEM SOLL DER HIMMEL WERDEN.

Wie viele lippische Fachwerkhäuser tragen auch die Torbogen dieser beiden eine Rose und einen Stern, die alten Wappenzeichen der Herren zur Lippe.

Von Zimmermeister Frans Henrich Scheifer ist nur das Haus Brand, In der Ecke 6 erhalten geblieben, das 1741 erbaut wurde. Es trägt die Inschrift

DEIN LEBEN LANG HABE GOTT VOR AUGEN


UND IM HERTZEN, UND HÜTE DICH,


DAS DU IN KEINE SÜNDE WILLIGST


UNT THUST WIEDER GOTTES GEBOT.


GEDENKE MEINER, MEIN GOTT, IM BESTEN.

 Das Fachwerkhaus auf dem Hof Arelmann, Bielefelder Str. 177 ist ein eindrucksvolles Beispiel handwerklicher Baukunst. 1716 wurde es von dem Liemer Zimmermeister Barthold Stuerhahn als Dreiständerhaus errichtet und um 1728 durch einen Um- und Anbau auf die doppelte Grö-ße erweitert. Die beiden Teile des Hauses unterscheiden sich sehr deutlich durch ihre ver-schiedenen Fachwerkkonstruktionen (Dreiständer-, Zweiständerhaus). Dieses aufwendige, für damalige Zeiten sicher repräsentatives Bauwerk ist Ausdruck des Selbstbewusstseins der Vollbauernschaft, was bei den Zeitgenossen Neid und Missgunst erweckte.


Nicht von ungefähr wählte der Bauherr für die Straßenfront des Hauses den Sinnspruch:

ACH GOTT WIE GEHET ES IMMERZU,


DAS DIE MICH HASSEN, DEN ICH NICHTS THU,


DIE MICH NICHTS GÖNNEN UND NICHTS GEBEN


MÜSSEN DOCH LEIDEN, DAS ICH LEBE.


WANN SIE MEINEN, ICH SEI VERDORBEN,


SO KANN GOT, DER HERR, DOCH VOR MICH SORGEN.

 Außer dem Wohnhaus Arelmann ist von Barthold Stuerhahn nur noch das Wohnhaus auf dem Hof Obermeier zu Lückhausen erhalten, dessen Torbalken die Inschrift trägt:

ANNO 1734 DEN 20 APRILIS HABEN


JOHAN CHRISTOPH TÖTEMEIERS UND


CATARINA MAGRETA GEHRS DIESES


HAUS LASSEN BAVEN.


PSALM CXXVII: WO DER HERR NICHT


DAS HAUS BAUVET, SO ARBEITEN


VMSONT DIE DARAN BAVEN. WO DER


HERR NICHT DIE STADT BEHÜTET, SO


WACHET DER WÄCHTER VMSONST.


SOLI DEO GLORIAM AMEN.

Wie die meisten Fachwerkhäuser in Lieme sind auch die von J. T. H. Möller aus Rhiene errichteten Wohnhäuser Bielefelder Str. 133 und Wittighöferheide 11 reine Zweckbauten, die im Gegensatz zu vielen städtischen Fachwerkhäusern und einigen Wohnhäusern großer Bauernhöfe reine Zweckbau-ten, welche außer der Hausinschrift mit Rose und Stern kaum Zierformen tragen.

(Quelle: F. Starke - "Lieme - Eine Dorfgeschichte in Einzeldarstellungen")